Der Ball gehört dem Rad
Gespielt wird mit dem Vorder- oder Hinterrad und mit dem Kopf. Die Füße sind tabu, die Hände auch — mit einer einzigen Ausnahme, siehe unten.
Der Sport
Stell dir Hallenfußball vor. Dann nimm den Spielern die Füße weg und setz sie aufs Rad. Übrig bleibt Radball: zwei gegen zwei auf einem Feld von 14 mal 11 Metern, ein Ball, zwei Tore — und der Ball darf nur mit dem Rad oder dem Kopf berührt werden.
Der Sport ist über 140 Jahre alt, hat Weltmeisterschaften und Ligen, und trotzdem kennt ihn außerhalb der Vereinshallen kaum jemand. Diese Seite erklärt in wenigen Minuten, worum es geht: die Regeln, das Feld, den Ball, das ziemlich eigenwillige Rad — und woher das Ganze kommt.
01
Radball hat ein umfangreiches Regelwerk. Für das Zuschauen reichen aber diese sechs Punkte — mit ihnen versteht man jede Szene. Das komplette Regelwerk steht unter Radball-Regeln, weitere Begriffe erklärt das Radball-Glossar.
Gespielt wird mit dem Vorder- oder Hinterrad und mit dem Kopf. Die Füße sind tabu, die Hände auch — mit einer einzigen Ausnahme, siehe unten.
Den Ball darf nur spielen, wer beide Hände am Lenker und beide Füße auf den Pedalen hat. Wer sich abstützt oder loslässt, darf in dem Moment nicht eingreifen.
Berührt ein Fuß den Boden, ist der Spieler erst einmal draußen. Er darf erst wieder mitspielen, wenn er die verlängerte Torlinie seines eigenen Tores überfahren hat. Ein Sturz kostet also fast immer eine Chance.
Wer gerade im eigenen Tor steht, darf Schüsse mit den Händen halten — aber nur innerhalb des Strafraums, eines Halbkreises mit zwei Metern Radius, und nur solange beide Füße auf den Pedalen bleiben.
Die Strafe des Spiels. Es gibt sie unter anderem bei groben Fouls, bei Handspiel außerhalb des Strafraums und nach Regelverstößen im eigenen Strafraum: ein freier Schlag aus vier Metern, nur gegen den Torhüter.
So lang dauert ein Spiel bei den Erwachsenen. Junioren spielen zweimal sechs, Schüler zweimal fünf Minuten. Kurz — aber bei dem Tempo reicht das völlig.
02
Gespielt wird in der Halle, auf einem Feld von 14 mal 11 Metern. Das gilt für internationale Wettkämpfe; national darf es in beide Richtungen um bis zu zwei Meter kleiner sein. Zum Vergleich: Ein Handballfeld ist mit 40 mal 20 Metern mehr als fünfmal so groß. Radball findet auf engstem Raum statt, und genau daher kommt das Tempo.
Ringsum läuft eine 30 Zentimeter hohe, schräg gestellte Bande. Sie hält den Ball im Spiel — es gibt keinen Einwurf und keine Seitenlinie, an der etwas unterbrochen wird.
Die Tore sind quadratisch, zwei mal zwei Meter. Davor liegt der Strafraum, ein Halbkreis mit zwei Metern Radius. Nur dort darf der verteidigende Spieler die Hände benutzen.
03
Ein Radball ist kein Fußball. Er misst 17 bis 18 Zentimeter im Durchmesser und wiegt 500 bis 600 Gramm — ein Fußball wiegt bei deutlich größerem Umfang nur rund 430 Gramm. Der Radball ist also klein und schwer.
Das liegt an seinem Inneren: Er besteht nicht aus Luft, sondern aus gepressten Tierhaaren, meist Rosshaar. Deshalb springt er kaum und bleibt dort liegen, wo er hingespielt wurde. Ein Luftball würde bei jeder Berührung mit dem Vorderrad davonspringen — mit dem Haarball lässt sich der Ball führen, stoppen und gezielt schlagen.
04
Das auffälligste Stück Ausrüstung. Ein Radballrad sieht aus wie ein Fahrrad, das jemand falsch zusammengebaut hat — und jedes Detail hat einen Grund.
05
Die bekannteste Form ist das Zweier-Radball, um das es auf dieser Seite bisher ging. Daneben gibt es das Fünfer-Radball: fünf Spieler pro Mannschaft auf einem Handballfeld, zweimal 15 Minuten. Hier gelten ein paar Regeln anders — höchstens drei Spieler einer Mannschaft dürfen gleichzeitig im Strafraum sein, wer den Boden berührt muss sich nur vier Meter vom Ball entfernen, und die Strafe ist ein Siebenmeter statt eines Viermeters.
Und schließlich das Sechser-Rasenradball, das im Sommer draußen auf Gras gespielt wird, mit sechs Spielern pro Team.
06
Die Entstehung ist gut dokumentiert — und beginnt angeblich mit einem Hund.
Der deutschstämmige Kunstradfahrer Nick Kaufmann und sein Kollege John Featherly zeigen die erste öffentliche Partie, auf Hochrädern der Bauart American Star. Die Idee soll Kaufmann gekommen sein, als er unterwegs einen streunenden Hund mit dem Vorderrad beiseiteschob.
Paul und Otto Lüders bringen den Sport nach Deutschland. Von hier aus verbreitet er sich in den Radfahrervereinen.
Europameisterschaften werden ausgetragen. Ab 1930 folgen die Weltmeisterschaften, die es bis heute gibt.
Jindřich und Jan Pospíšil aus der Tschechoslowakei gewinnen 20 WM-Titel. Eine Serie, an die im Radball bis heute niemand herangekommen ist. Alle Titelträger stehen in der Liste aller Radball-Weltmeister seit 1930.
Organisiert wird der Sport in Deutschland vom Bund Deutscher Radfahrer und vom Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität. Gespielt wird in Vereinen und Ligen — meistens in ganz normalen Sporthallen, oft vor überschaubarem Publikum, und fast immer schneller, als man beim ersten Hinsehen glaubt.
07
Am besten geht das in einer Halle in deiner Nähe. Bis dahin gibt es hier zwei kleine Spiele im Browser — und ein richtiges, an dem gerade gearbeitet wird.
Zwanzig Viermeter gegen einen Torwart. Nichts zu installieren, mit öffentlicher Bestenliste.
Ein Endlosrennen auf dem Radballrad: Radbälle einsammeln, über Hindernisse springen, durchhalten.
Das weltweit erste Radballspiel als App — mit echten Radball-Regeln, Trainingsbereich und KI-Gegner. Noch in Entwicklung.
Quellen für die Zahlen auf dieser Seite: die Artikel Radball und Cycle ball bei Wikipedia sowie die Darstellung des Sports beim Weltverband UCI. Maßgeblich ist immer das offizielle Regelwerk der UCI beziehungsweise des BDR.